Hundekrankenversicherung Sonderfälle: Vorerkrankungen, Alter und Rasse
Martin Markowsky
Juni 11, 2026


Drei Sonderfälle entscheiden darüber, ob eine Hundekrankenversicherung problemlos möglich ist oder am Antrag scheitert: bestehende Vorerkrankungen, ein hohes Einstiegsalter und die genetische Belastung der Hunderasse. Versicherer reagieren auf diese Risiken mit Leistungsausschlüssen, Ablehnungen oder Beitragsaufschlägen von 10 bis 50 Prozent.
Falsche Angaben bei den Gesundheitsfragen können den gesamten Schutz rückwirkend vernichten, denn die vorvertragliche Anzeigepflicht nach § 19 VVG gilt ohne Ausnahme. Trotzdem ist kaum ein Hund unversicherbar: Einige Anbieter nehmen Hunde ohne Altersobergrenze auf, heben Leistungsausschlüsse nach 12 bis 24 symptomfreien Monaten wieder auf, und selbst bei einer vollständigen Ablehnung bleibt eine OP-Versicherung als Schutz gegen das größte finanzielle Risiko.
Hundekrankenversicherung Sonderfälle: Vorerkrankungen, Alter und Rasse
Vorerkrankungen, ein hohes Alter oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hunderasse sind die häufigsten Hürden beim Abschluss einer Hundekrankenversicherung. Ein Hund mit bestehenden Krankheiten kann zwar versichert werden, jedoch meist nur mit einem Leistungsausschluss für das bekannte Leiden.
Die wahrheitsgemäßen Angaben bei den Gesundheitsfragen sind entscheidend, da Falschangaben zur Kündigung des Vertrags führen. Das Alter deines Hundes ist ebenfalls ein Faktor, da viele Anbieter eine Aufnahmegrenze haben und die Beiträge mit den Jahren steigen. Bestimmte Rassen wie Möpse oder Deutsche Schäferhunde sind teurer zu versichern, weil sie ein statistisch höheres Risiko für Erbkrankheiten haben.
Generell gilt für alle Hunde eine Wartezeit nach Vertragsbeginn, in der kein Leistungsanspruch besteht. Wird ein Antrag auf Vollschutz abgelehnt, bieten eine reine OP-Versicherung oder der Aufbau privater Rücklagen Alternativen, um das größte finanzielle Risiko abzusichern.
Einen Hund mit Vorerkrankungen versichern
Eine Vorerkrankung ist die häufigste Hürde bei der Versicherung eines Hundes. Aus Sicht der Versicherer ist eine Vorerkrankung jede Krankheit oder Fehlentwicklung, die vor dem Vertragsabschluss oder während der Wartezeit diagnostiziert, behandelt oder symptomatisch wurde. Die Kernfrage für dich als Halter ist, ob eine Versicherung trotz dieser Diagnosen möglich ist.
Kannst du einen Hund mit Vorerkrankung versichern?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen ist das möglich, aber oft mit Einschränkungen. Die entscheidenden Faktoren für eine Annahme sind der Zeitpunkt der Diagnose, der aktuelle Behandlungsstatus und ob die Krankheit als ausgeheilt gilt. Einige Versicherer bewerten einen Leistungsausschluss neu, wenn der Hund für einen längeren Zeitraum, zum Beispiel 12 oder 24 Monate, nachweislich symptom- und behandlungsfrei war. Nachdem klar ist, dass eine Versicherung grundsätzlich möglich ist, muss definiert werden, was genau als Vorerkrankung zählt.
Was zählt als Vorerkrankung für die Versicherung?
Eine Krankheit wird durch 3 Kriterien zur Vorerkrankung für die Versicherung:
- Diagnose oder Behandlung vor Vertragsabschluss.
- Symptome, die während der Wartezeit auftreten.
- Angeborene, bereits bekannte Fehlentwicklungen.
Nicht als Vorerkrankung gelten Behandlungen, die der allgemeinen Vorsorge dienen. Dazu gehören Routine-Impfungen, Wurmkuren und die Parasitenprophylaxe. Versicherer reagieren je nach Art der Vorerkrankung unterschiedlich.
Wie gehen Versicherer mit Vorerkrankungen um?
Versicherer reagieren auf Vorerkrankungen hauptsächlich mit 2 Modellen: einem Leistungsausschluss für die betreffende Krankheit oder einer vollständigen Ablehnung des Antrags. Ein drittes, selteneres Modell ist die Annahme mit einem Risikozuschlag.
Vollständige Ablehnung des Antrags
Die vollständige Ablehnung des Antrags ist die wahrscheinlichste Reaktion bei schweren, chronischen oder kostenintensiven Krankheiten. Konkrete Krankheitsbeispiele, die oft zur Ablehnung führen, sind Epilepsie, Tumore oder eine schwere Hüftgelenksdysplasie (HD).
Annahme mit Risikozuschlag
Die Annahme mit Risikozuschlag ist ein seltenes Modell, bei dem die Krankheit gegen einen höheren Beitrag mitversichert wird. Die Höhe des Zuschlags liegt typischerweise zwischen 10 % und 50 %. Dieses Modell kommt bei leichten, gut kontrollierbaren Leiden vor.
Annahme mit Leistungsausschluss für die Erkrankung
Die Annahme mit Leistungsausschluss ist die häufigste Lösung. Der Hund wird versichert, aber alle Kosten im Zusammenhang mit der Vorerkrankung und deren Folgen werden dauerhaft vom Schutz ausgenommen. Ein Hund mit einer bekannten Allergie wird beispielsweise versichert, aber die Kosten für Hautbehandlungen oder Spezialfutter werden nicht erstattet.
Welche Vorerkrankungen führen oft zum Ausschluss?
Bestimmte chronische oder genetische Erkrankungen führen fast immer zu einem Leistungsausschluss oder einer Ablehnung des Antrags. Zu diesen Erkrankungen gehören:
- Allergien
- Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED)
- Epilepsie
- Diabetes mellitus
- Schilddrüsenerkrankungen
- Herzerkrankungen
- Brachyzephales Syndrom
Die korrekte Angabe dieser Krankheiten im Antrag ist entscheidend für die Gültigkeit des Vertrags.
Welche Bedeutung haben die Gesundheitsfragen im Antrag?
Die Gesundheitsfragen im Antrag unterliegen der vorvertraglichen Anzeigepflicht gemäß § 19 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG). Du bist als Antragsteller gesetzlich verpflichtet, alle Fragen des Versicherers wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten.
Warum wahrheitsgemäße Angaben verpflichtend sind
Wahrheitsgemäße Angaben sind verpflichtend, da sie dem Versicherer zur korrekten Risikobeurteilung und Beitragskalkulation dienen. Falsche Angaben gefährden den gesamten Versicherungsschutz.
Welche Folgen hat das Verschweigen von Krankheiten?
Das Verschweigen von Krankheiten hat je nach Verschulden unterschiedliche Rechtsfolgen für dich. Die 3 Konsequenzen sind:
- Kündigungsrecht des Versicherers: Bei einfacher Fahrlässigkeit kann der Versicherer den Vertrag mit einer Frist von 1 Monat kündigen.
- Rücktritt vom Vertrag: Bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, wodurch dieser rückwirkend unwirksam wird.
- Anfechtung des Vertrags: Bei arglistiger Täuschung kann der Versicherer den Vertrag anfechten, wodurch dieser von Anfang an nichtig ist.
In der Praxis fordern Versicherer im Leistungsfall die Krankenakte deines Hundes an und decken so Falschangaben auf.
Tipp: In unserem Ratgeber Hundekrankenversicherung mit Vorerkrankung findest du viele weitere Infos und Tipps.

Hundekrankenversicherung Sonderfälle - ältere Hunde
Das Alter ist neben Vorerkrankungen der zweite entscheidende Faktor, der den Zugang und die Kosten einer Hundekrankenversicherung für deinen Hund bestimmt.
Gibt es eine Altersgrenze für den Abschluss einer Hundekrankenversicherung?
Ja, einige Versicherer haben eine Höchstaltersgrenze für die Neuaufnahme, während andere Anbieter Hunde jeden Alters versichern. Zu den Versicherern ohne Alterslimit gehören zum Beispiel die Allianz, Agria, Uelzener und Lassie. Andere Anbieter setzen Grenzen, die oft bei 7, 8 oder 9 Jahren liegen. Das Alter beeinflusst bei einer Aufnahme die Kosten stark.
Wie beeinflusst das Alter des Hundes den Versicherungsbeitrag?
Der Versicherungsbeitrag steigt mit zunehmendem Alter an, da das Krankheitsrisiko wächst. Versicherer nutzen 2 Arten der Preisanpassung:
- Höherer Einstiegsbeitrag: Der Beitrag wird je nach Alter bei Vertragsabschluss festgelegt.
- Dynamische Beitragsanpassungen: Der Beitrag erhöht sich während der Vertragslaufzeit.
Ein konkretes Beispiel für Beitragsanpassungen ist das Modell der HanseMerkur, bei dem es Beitragssprünge zum 3., 5. und 7. Geburtstag gibt. Im Gegensatz dazu erhöht die Uelzener den Beitrag nicht automatisch jährlich, führt aber bei einem Vertragsabschluss ab dem 6. Geburtstag eine Selbstbeteiligung ein.
Gibt es spezielle Tarife für Hunde-Senioren?
Nein, spezielle "Senioren-Tarife" sind unüblich. Die Alternative für ältere Hunde sind oft reine OP-Versicherungen oder Basistarife. Diese bieten in der Regel eingeschränkte Leistungen und eine höhere Selbstbeteiligung. In unserem Ratgeber Hundekrankenversicherung für ältere Hunde findest du viele weitere Infos und Anbieter, die vielleicht zu dir und deinem Hund passen.
Verringern sich die Leistungen für ältere Hunde?
Nein, bei einem bestehenden Vertrag werden die vereinbarten Leistungen im Alter nicht gekürzt. Beim Neuabschluss einer Versicherung für einen älteren Hund reduzieren einige Anbieter die Leistungen. Diese Tarife führen dann eine obligatorische Selbstbeteiligung ein oder begrenzen die Erstattungssätze.
Grundsätzliche Leistungen der Hundekrankenversicherung. Schutz für Operationen, Behandlungen und Vorsorgemaßnahmen bleibt für deinen Hund auch im Alter bestehen. Die Versicherung übernimmt weiterhin die Kosten für medizinisch notwendige Eingriffe wie Tumorentfernungen oder die Versorgung von Knochenbrüchen. Ebenso sind ambulante Heilbehandlungen, diagnostische Maßnahmen wie Röntgenuntersuchungen und die Kosten für Medikamente abgedeckt.
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Die Rolle der Hunderasse bei der Krankenversicherung
Die Hunderasse ist der dritte wichtige Faktor für die Risikobewertung und Preisgestaltung der Versicherung.
Warum sind einige Hunderassen teurer in der Versicherung?
Einige Hunderassen sind teurer, weil statistisch belegt ist, dass sie anfälliger für teure, oft genetisch bedingte Krankheiten sind. Versicherer teilen Hunderassen basierend auf diesem Risiko in Risikoklassen ein. Rassen wie der Golden Retriever werden aufgrund ihrer Anfälligkeiten oft in eine höhere Risikoklasse eingestuft.
Welche Rassen werden oft als risikoreich eingestuft?
Versicherer stufen bestimmte Rassen aufgrund ihrer Anfälligkeit für spezifische Krankheiten als risikoreich ein. Diese lassen sich in 3 Kategorien einteilen:
- Brachyzephale (kurzköpfige) Rassen: Mops und Französische Bulldogge leiden häufig unter Atemwegsproblemen.
- Große Rassen: Deutscher Schäferhund, Labrador und Golden Retriever haben ein erhöhtes Risiko für HD, ED und Kreuzbandrisse.
- Molosser: Bordeauxdogge und Mastiff sind anfällig für Gelenk- und Herzprobleme sowie Magendrehungen.
Sind rassetypische Erbkrankheiten mitversichert?
Ja, in modernen Tarifen sind rassetypische Erbkrankheiten mitversichert, sofern die Krankheit bei Vertragsabschluss nicht bekannt war, aber es gelten oft besondere Bedingungen. Zu diesen Bedingungen gehören:
- Verlängerte Wartezeiten: Die Fristen für Erkrankungen wie HD oder ED variieren je nach Anbieter stark und reichen von 30 Tagen bis zu 18 Monaten.
- Leistungsbegrenzungen: Es gibt oft finanzielle Höchstgrenzen für die Behandlung von angeborenen Fehlentwicklungen.
- Komplettausschlüsse: Einige Anbieter schließen bestimmte Krankheiten wie das Brachyzephale Syndrom oder Kryptorchismus generell aus.

Allgemeine Ausschlüsse und Grenzen der Hundekrankenversicherung
Neben den Sonderfällen gibt es generelle Leistungsausschlüsse, die für alle Hunde gelten.
Welche Behandlungen übernimmt eine Hundekrankenversicherung generell nicht?
Es gibt marktübliche Standardausschlüsse von Behandlungen, die eine Hundekrankenversicherung generell nicht übernimmt.
Kosmetische Eingriffe
Als kosmetischer Eingriff gilt jede Behandlung, die nicht medizinisch notwendig ist.
Diät- und Spezialfutter
Futterkosten werden in der Regel nicht übernommen, da sie zu den allgemeinen Haltungskosten zählen.
Behandlungen von nicht angegebenen angeborenen Fehlern
Die Behandlung von angeborenen Fehlern, die bei Vertragsabschluss nicht angegeben wurden, ist ausgeschlossen. Dies steht im direkten Zusammenhang mit der vorvertraglichen Anzeigepflicht.
Kosten während der Wartezeit
Erkrankungen, die in der Wartezeit auftreten, gelten als Vorerkrankung und sind dauerhaft vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.
Was ist die Wartezeit und warum gibt es sie?
Die Wartezeit ist der Zeitraum nach Vertragsbeginn, in dem noch kein Leistungsanspruch besteht. Sie dient dem Schutz der Versichertengemeinschaft vor "adverser Selektion", also dem Abschluss einer Versicherung für bereits bekannte, aber noch nicht diagnostizierte Schäden. Die typischen Zeiträume variieren je nach Tarif und Anbieter. Für allgemeine Behandlungen liegt die Frist oft bei 30 Tagen, für Operationen zwischen 1 und 3 Monaten und für spezielle Erkrankungen zwischen 6 und 12 Monaten.
Gilt die Wartezeit auch für Unfälle?
Nein, bei echten Unfällen entfällt die Wartezeit in der Regel. Ein Unfall ist versicherungstechnisch als ein plötzliches, von außen einwirkendes, unfreiwilliges Ereignis definiert.
Was tun, wenn der Versicherungsschutz abgelehnt wird?
Wenn eine Vollversicherung nicht möglich ist, gibt es konkrete Handlungsoptionen und Alternativen, um den Schutz für deinen Hund sicherzustellen.
Welche alternativen Absicherungen gibt es?
Es gibt 2 Hauptalternativen, um zumindest einen Teilschutz für deinen Hund zu erhalten.
Prüfung einer reinen OP-Versicherung
Eine reine OP-Versicherung deckt die Kosten für chirurgische Eingriffe sowie die damit verbundenen Voruntersuchungen, die Narkose und die Nachbehandlung. Allgemeine tierärztliche Behandlungen sind nicht abgedeckt. Die Vorteile sind geringere Kosten und oft eine weniger strenge Gesundheitsprüfung, weshalb sie eine Alternative für ältere Hunde oder Hunde mit Vorerkrankungen sein kann. Diese Option ist sinnvoll, um das größte finanzielle Risiko, eine teure Operation, abzusichern.
Vergleich von Tarifen mit geringerem Leistungsumfang
Basistarife bieten eine Alternative mit Kompromissen. Die typischen Merkmale sind eine hohe Selbstbeteiligung, prozentuale Leistungsgrenzen und niedrige Jahreshöchstgrenzen für die Kostenerstattung.
Ist der Aufbau einer privaten Finanzrücklage eine Option?
Ja, aber es erfordert hohe Disziplin und birgt Risiken. Um eine Summe von 5.000 € anzusparen, dauert es bei einer monatlichen Sparrate von 50 € über 8 Jahre. Die robusteste Lösung für Risikohunde ist die Kombination aus einer günstigen OP-Versicherung zur Abdeckung von Katastrophenfällen und einer privaten Finanzrücklage für kleinere Behandlungen.
Martin Markowsky
Versicherungsmakler & Hundeexperte
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